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Turmschreiber

Wenn der Autor sein Quartier bezogen hat, blickt er auf alte Mauern und einen blühenden prächtigen Park. Und er denkt vielleicht darüber nach, auf was er sich da frohen Herzens eingelassen hat: Turmschreiber zu sein in Deidesheim. In einen Elfenbeinturm kann er sich nicht zurückziehen, das hat er gleich bemerkt. Deidesheims Turmschreiber residieren in einem runden soliden Sandsteintürmchen. Das uralte schmucke Bauwerk steht im Schlossgarten, also im Herzen der Stadt. Und da gehören die Turmschreiber auch hin. Den festen Platz im Herzen der hier auf Zeit in "Amt und Würde" stehenden Literaten, soll aber auch Deidesheim und die ganze Region bekommen.

Zwei Flaschen Wein täglich

Wo schreibt es sich schöner?

Seit 1978 gibt es in Deidesheim die Turmschreiberei. Offiziell heißt sie „Stiftung zur Förderung der Literatur in der Pfalz“ und verlangt von den Kandidaten, dass sie vier Wochen in Deidesheim wohnen, „pfalzbezogen“ arbeiten und das Ergebnis dann auch publizieren. Dafür bekommen sie zwei Flaschen besten Deidesheimer "Deputatwein" täglich und auch eine schöne finanzielle Anerkennung. Obendrein ist ihnen der Respekt und die Zuneigung der Deidesheimer und der Pfälzer sicher. Zahlreiche namhafte Autoren waren schon Turmschreiber in Deidesheim. Wortgewaltig, hintersinnig, fröhlich, herzlich, aber auch kritisch und ironisch haben sie sich in ihren Werken mit Land und Leuten, mit Landschaft und Wein auseinandergesetzt. Deidesheim hat sie allesamt inspiriert und die meisten Turmschreiber sind der Pfalz nach Ablauf ihrer zweijährigen Amtsperiode auch treu geblieben und sie kommen immer wieder hierher. Denn: Deidesheim - da will ich sein.

 

Turmschreiberin Katja Petrowskaja

Katja Petrowskaja ist die 17. Turmschreiberin in Deidesheim

Katja Petrowskaja wurde als 17. Turmschreiberin vom Beirat der Stiftung zur Förderung der Literatur in der Pfalz ernannt. Die Wahl wurde vom Kuratorium der Frank J. Lyden Stiftung bestätigt. Die Amtszeit umfasst die Jahre 2026/2027.

Die Jury würdigte Katja Petrowskaja als eine der maßgeblichen, eindringlichen und nachhaltig nachhallenden Stimmen der europäischen Gegenwart. Besonders hervorgehoben wurde ihre Fähigkeit, die komplexen historischen und aktuellen Erfahrungen der Ukraine literarisch zu verdichten und für ein breites Publikum erfahrbar zu machen – zuletzt eindrucksvoll belegt durch ihre viel beachtete Laudatio auf den Friedenspreisträger Karl Schlögel in der Frankfurter Paulskirche.

Die Auszeichnung als Turmschreiberin ist mit 7.500 Euro sowie einem Weindeputat verbunden. Während ihrer zweijährigen Amtszeit wird Katja Petrowskaja jeweils zwei Wochen in Deidesheim anwesend sein, um an Lesungen, Gesprächen und literarischen Begegnungen teilzunehmen.

Katja Petrowskaja wurde 1970 in Kiew geboren. Sie studierte unter anderem in Tartu (Estland), Stanford und an der Columbia University und promovierte in Moskau. Seit 1999 lebt sie in Berlin und arbeitet als Autorin und Journalistin für renommierte Medien wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Die Zeit und die Süddeutsche Zeitung.

Für ihre Erzählung „Vielleicht Esther“ erhielt sie 2013 den Ingeborg-Bachmann-Preis; zudem wurde sie mit weiteren bedeutenden Literaturpreisen ausgezeichnet, darunter dem aspekte-Literaturpreis. Seit 2015 schreibt sie die Kolumne „Bild der Woche“ für die FAS. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine widmet sie sich in ihren Texten ausschließlich den Menschen und Erfahrungen dort, zuletzt in ihrem Werk „als wäre es vorbei – Texte über den Krieg“.

Katja Petrowskaja folgt als Turmschreiberin auf den Büchnerpreisträger Arnold Stadler.
Ihr erster Aufenthalt in Deidesheim ist vom 14. bis 28. August geplant; die genauen Termine für Veranstaltungen werden rechtzeitig bekannt gegeben.