Beinhaus

Bedeutsam als einzigartiger Bau seiner Art in der Pfalz

An diese Mauer schloss sich westlich gelegen das Beinhaus an, das gegen Ende des 15. Jahrhunderts errichtet wurde. Seit dem Hochmittelalter verscharrte man die Gebeine, die bei der Neuanlage von Gräbern gefunden wurden, nicht mehr in einem Winkel des Friedhofs, sondern sammelte sie und bewahrte sie „sichtbar und der Verehrung zugänglich“ auf. So wurde das Beinhaus zu einer Stätte des Gebets für die Toten. Jedoch änderte sich diese Einstellung im Zeitalter der Aufklärung (2. Hälfte des 18. Jahrhunderts) auch in katholischen Gebieten. Der hiesige Pfarrer hielt das Beinhaus als Aufbewahrungsort vermoderter und womöglich noch Krankheiten erregender Gebeine als völlig wertlos. Es wurde somit einem sinnvolleren Verwendungszweck zugeführt und diente für nahezu 180 Jahre als Gerümpelkammer bzw. Holzlager. 1860 wechselte es in den Besitz der Stadt über, der Verwendungszweck blieb jedoch der gleiche. Erst 1945 beschloss der Stadtrat das verwahrloste Beinhaus der „kath. Kirchenstiftung zu Eigentum und Besitz zu übertragen“. Die endgültige Wiederherstellung des Beinhauses erfolgte jedoch erst in den Jahren 1962 bis 1965. Heute ist es Gedenkstätte für die Gefallenen der beiden Weltkriege. Auf dem Altar liegt ein Buch auf, in dem die Namen der gefallenen und vermissten Deidesheimer Bürger eingetragen sind. Zu sehen sind noch einige Reste des 1708 abgerissenen Lettners sowie ein Steinkreuz aus dem 15. Jahrhundert, ein hochgotischer Maßwerkaufsatz und 3 Grabsteine des 17. und 18. Jahrhunderts.

Dem Beinhaus kommt als einzigem erhaltenem Bau seiner Art in der Pfalz eine besondere Bedeutung zu.

 

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