Kath. Pfarrkirche St. Ulrich, Deidesheim

Pfarrkirche St. Ulrich

Die Pfarrkirche im Herzen Deidesheims

Kath. Pfarrkirche St. Ulrich

Die Pfarrkirche im Herzen Deidesheims

Der Vorgängerbau der heutigen Pfarrkirche war eine Marienkapelle, die vor 1300 entstand. Im 15. Jahrhundert war sie baufällig geworden und entsprach wohl auch nicht mehr den Ansprüchen der Deidesheimer Bürger. Der Nachfolgerbau hat sich in die heutige Zeit erhalten. 1460 wurde sie bereits als Pfarrkirche bezeichnet und 1467 wird der Hl. Ulrich erstmals neben der Muttergottes als ihr Patron genannt. Das genaue Ende der Bauarbeiten ist nicht bekannt.Die Deidesheimer Kirche ist als einziger ganz erhaltener größerer Kirchenbau des mittleren 15. Jahrhundert in der Pfalz von besonderer Bedeutung. Noch immer ragt sie inmitten ihrer ursprünglichen Umgebung auf und beherrscht durch keinen anderen Bau gestört, Stadt und Umgebung.In ihrer über 500jährigen Geschichte wurde die Kirche immer wieder von Plünderung und Zerstörung bedroht. Über Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg ist leider nichts verzeichnet, jedoch dürfte er nicht spurlos an der Pfarrkirche vorbei gegangen sein. 1689 wurde Deidesheim im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch französische Truppen niedergebrannt. Dabei fing auch das Dach der Pfarrkirche Feuer. Dachstuhl, Turm, Glocken, Turmuhr und Kirchengestühl wurden völlig zerstört. Erfreulicherweise blieb das Gewölbe erhalten. Es hat eine ganze Reihe von Jahren gedauert bis die Kirche fertig gestellt wurde und die Altäre neu geweiht werden konnten. Es bereitete große Mühen die nötigen Gelder zusammenzubetteln.Bereits 1794 besiegelten französische Revolutionstruppen das Schicksal der Kirche. Sie plünderten sie rücksichtslos aus und profanierten sie zu einem Lager für beschlagnahmte Weine und als Militärgefängnis. Nur unter großen Schwierigkeiten konnte Kirchengerät, eine Orgel, Glocken und eine Turmuhr wieder beschafft werden.Das Kirchengebäude hat sich in den über 500 Jahren unverändert erhalten, jedoch seine Ausstattung wurde bei zahlreichen Renovierungen immer wieder dem jeweiligen Zeitgeschmack angepasst. Von den mittelalterlichen sieben Altären blieben bis in die heutige Zeit nur noch der Hochaltar mit zwei Seitenaltären erhalten. Der aus Grabplatten bestehende Bodenbelag wurde durch Steinplatten ersetzt. 1708 brach man den Lettner ab und stellte ihn als Empore in den hinteren Teil der Kirche. Teile der Lettner-Brüstung sind heute im Beinhaus zu sehen. Die Aufbauten der Altäre wechselten von vermutlich gotisch zu barock um dann wieder zur Neugotik zurückzukehren. Auch die Ausmalung der Kirche war dem modischen Stil unterworfen. In der Anfangszeit waren die Gewölbe und Säulen, vielleicht auch die Wände, bemalt. Die Ausmalung wechselte die Farbe sowie die Art und Weise wie Säulen, Bögen und Bogenrippen bemalt waren. In der Neugotik kehrte man wieder zum ursprünglichen Aussehen zurück. Die Haussteine sollten wieder in ihrer Naturfarbe zu sehen sein. Der Mode entsprechend erhielt die Ausstattung ein neugotisches Aussehen. Bei der letzten Kirchenrenovierung 2007 wurde die ursprüngliche Farbgebung wieder hergestellt, so dass die Kirche wieder das Aussehen der Erbauungszeit hat.Glasgemälde:Die Deidesheimer Kirche besitzt als einziges Gotteshaus der Pfalz noch Glasmalereien aus dem Mittelalter. Es handelt sich um die über dem nördlichen Seitenportal beschnittenen Rechteckscheiben mit Darstellungen von Maria im Strahlenkranz sowie die Heiligen Barbara und Katharina. Über dem südlichen Seitenportal sind zwei Rundscheiben mit Brustbildern evtl. der gekrönten Maria und der Hl. Dorothea zu sehen.Holzfiguren im Kirchenraum bzw. den Seitenaltären:Links neben dem nördlichen Eingang: Hl. Jakobus der Ältere oder Hl. Wendelin (um 1500) als Pilger. Nach Nikolaus von Böhl im Stiftungsbrief für das Spital erwähnt, lag Deidesheim an einer Pilgerstraße auf der viele fremde Pilger und christgläubige Menschen unterwegs waren. Dies würde für die Darstellung des Hl. Jakobus des Älteren sprechen. Jedoch ließe die Ausstattung mit Pilgertracht, Stab und Tasche auch den Schluss zu, dass es sich um den Schutzpatron der Landwirtschaft, den Hl. Wendelin handelt.Linker Seitenaltar: Die Figuren dieses Altares stammen aus dem 19. Jahrhundert: In der Mitte die Muttergottes mit dem Jesuskind, links davon der hl. Sebastian als römischer Soldat ( der hl. Sebastian ist der Mitpatron der Kirche ) und rechts die Figur des hl. Josef.

 

Chorraum: Das im Chorraum befindliche Kruzifix war 1941 Teil des Hochaltars umgeben mit einem Strahlenkranz. Der Korpus jedoch ist viel älteren Datums, um 1510. Es wird der Werkstatt des Veit Stoß zugeschrieben. Das bisher im Hochaltar befindliche Bild der Himmelfahrt des Herrn wurde vom Altar weggenommen und auf der Nordseite des Chorraums angebracht. Die Anregung hierfür stammte von Frau von Buhl, einer Angehörigen der Stifterfamilie des Hochaltars

 

Unter dem Triumphbogen ist links die spätbarocke Statue der Gottesmutter Maria aufgestellt, in Form einer Immaculata. Sie steht auf der Sichel des Mondes und trägt das Jesuskind. Der Johannesknabe streckt seine Arme zu ihr auf. Diese Marienstatue hat eine besondere Geschichte: Der jüdische Kaufmann Feis aus Deidesheim entdeckte sie in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts auf einer Geschäftsreise in London, wo er sie ersteigerte und zuhause der katholischen Pfarrei schenkte. Zunächst war sie im Pfarrhaus untergebracht, wurde dann aber am 08.12.1940, mitten in der Zeit der NS-Herrschaft, feierlich in die Kirche überführt und dort aufgestellt. In den Marienmonaten Mai und Oktober und an den hohen Marienfesten trägt sie eine Krone, die nach dem 2. Weltkrieg aus den Ringen und dem Schmuck der Frauen und Kriegerwitwen gefertigt wurde.

 

 Auf der rechten Seite ist die Figur des Hl. Ulrich zu finden, der gemeinsam mit dem hl. Sebastian Kirchenpatron der Pfarrkirche von Deidesheim ist. Die Figur stammt wohl aus dem 19. Jahrhundert und wurde 1940 für die Pfarrkirche erworbenDer rechte Seitenaltar ist ein sog. Annenaltar in dessen Mitte eine Figur der Mutter Anna mit Maria auf dem Schoß zu sehen ist. Diese Figur wird in die Zeit um 1510 datiert, ob sie alter Besitz der Kirche ist, ließ sich nicht ermitteln. Links und rechts von ihr stehen die Figuren des hl. Nikolaus und der hl. Hedwig.Auf den Konsolen vor der Empore bewahrt die Kirche noch Figuren. Dabei handelt es sich um eine Figur des an einen Baum gefesselten Hl. Sebastian und auf der gegenüberliegenden Seite eine Figur der Hl. Barbara. Beide werden als mittelrheinische Arbeiten aus der Zeit um 1760 angesehen.

 

In der Mitte der Empore stehen eine Figur Hl. Wolfgang, sie ist um 1480 entstanden. Im 19. Jahrhundert mussten Teile der Figur, wie die rechte Hand, der vorstehende Fuß und Teile der Haare und Gewandfalten ergänzt werden. Die rechte Figur des Hl. Urban ist neueren Datums, sie stammt aus der neugotischen Epoche evtl. vom Ende des 19. Jahrhunderts.

 

Bis zum Jahr 1783 lag der Friedhof von Deidesheim um die Kirche, daran erinnert noch heute das Beinhaus und das Friedhofskreuz, das sich 6,78 m über die ehemalige Fläche des Friedhofes erhebt. Auf dem dreifach gestuften Sockel befindet sich ein würfelförmiger Berg, der mit Knochen und Schädeln durchzogen ist und Golgatha symbolisiert. Der helle Sandstein des „Querbalkens“ ist mit Astrissen und Astlöchern gestaltet um ihn als Holzbalken zu charakterisieren. Der Korpus ist mit dem Kreuz und der Inschrifttafel aus einem Felsblock herausgehauen.Steigt man die Treppe zwischen Rathaus und katholischer Pfarrkirche hinauf, so stößt man auf die nach Osten offene Ölbergkapelle, in der eine freie Nachbildung der Pieta Michelangelos steht. Die Kapelle ist eine Stiftung der Bäcker, wie der Schlussstein des Netzgewölbes ausweist, der Spitzweck, Ofenschieber und Brezel zeigt.Am äußeren Chorhaupt der Kirche steht die überlebensgroße Figur der in den Himmel auffahrenden Muttergottes. Die Rokokofigur stand ursprünglich in einer Nische auf der Innenseite des nördlichen Stadttores. Ihr entsprach eine Darstellung des auferstandenen Christus am südlichen Landauer Tor, die dort 1731 aufgestellt wurde. Sie ist heute leider nicht mehr erhalten.