
- Vierungsturm der kath. Pfarrkirche St. Martinus
Pfarrkirche St. Martinus
Das Wahrzeichen Niederkirchens
Die Pfarrkirche St. Martinus in Niederkirchen wurde im 8. oder 9. Jahrhundert gegründet, jedoch blieb durch die spätere Bautätigkeit von der Urform nichts mehr erhalten. Die Kirche zeigt mehrere Baustile. Die ältesten Teile sind der mächtige Vierungsturm, der ganz aus kleinen Bruchsteinen erbaut ist und eine Höhe von 27 Metern erreicht. Er ruht auf vier Säulen mit einer Grundfläche von je einem Quadratmeter. Diese sind mit vier romanischen Bögen aus schönem gelb-rotem Großmauerwerk verbunden, die die Vierung bilden. Die beiden Querhausarme stammen ebenfalls aus dieser Zeit. Der Bau dieser wird auf 1060 bis 1080 datiert und fällt somit in die gleiche Zeit wie der Bau des Domes zu Speyer und der Limburg. Da St. Martinus in einer Luftlinie zwischen diesen Bauwerken liegt, ist es wahrscheinlich, dass die Bauhütten dieser beiden Baustellen auch beim Bau der beiden Querhausarme tätig waren.
Um etwa 1300 musste dann die romanische Apsis dem hochgotischen Tor weichen, wobei auch die alte Sakristei mit dem Sakramentshäuschen errichtet wurde. Bei dieser Baumaßnahme wurden auch die Vierung und das Querhaus eingewölbt.
Im Jahre 1955 wurde dann mit der letzten großen Umbaumaßnahme begonnen; denn die Kirche war zu klein geworden. Dabei stellte man fest, dass das alte Kirchenschiff aus zwei Bauabschnitten bestand. Das ältere war 12 Meter lang; das jüngere maß 22,4 Meter. Der Neubau des Kirchenschiffes ist, wie man feststellen kann, trotz der Moderne der damaligen Betonbauweise eine doch recht gut gelungene Anpassung an die historische Bausubstanz. Der klare Eindruck, den der Kirchenraum von Westen gesehen auf den Betrachter macht, wurde aber erst dadurch möglich, dass der Hochaltar, der bis dahin im Chor stand, verkauft wurde. Der anfänglich schmerzhafte Verlust des schönen Stückes brachte der Gemeinde aber eine schöne helle Kirche, bei der weder Schnörkel noch unnötiger Zierrat die Gedanken der Gläubigen ablenken.
Die oberen, in modernem Stil gehaltenen Fenster zeigen Symbole der sieben Sakramente: Im Süden (von Ost nach West) Eucharistie, Taufe, Letzte Ölung und Ehe. Im Norden (von Ost nach West) Priesterweihe, Firmung und Buße. Die beiden oberen westlichen Fenster zeigen Mariensymbole der lauretanischen Litanei sowie Engel und die Wappen von Niederkirchen und Deidesheim. Die unteren Fenster wurden durch die Familie Hans Maurer, Speyer, nach einem Vorschlag von Alois Johannes Plum, Mainz, ausgeführt. Die Orgel ist ein Werk von Paul Zimnol, Kaiserslautern, aus dem Jahr 1964. Ambo und Tabernakelstele wurden von Günter Zeuner 1983 geschaffen. Der Altartisch stammt von Raimund Weisbrodt, Niederkirchen. Die Heiligenfiguren wurden nach der Verwüstung durch das französische Revolutionsheer vom Paulusstift in Worms 1806 übernommen. Es sind dies der heilige Josef, die heilige Barbara, der heilige Wendelin, der heilige Sebastian, der gute Hirte, die heilige Anna Selbtritt Immakulata und die Pietá aus dem 15. Jahrhundert. Der heilige Wendelin war ursprünglich der heilige Raphael einer Tobiasgruppe, dem man die Flügel abnahm und eine Hirtenschaufel in die Hand gab. Der heilige Pantaleon wurde 1890 von Gragolier aus Gröden geschnitzt. Der heilige Martin ist ein Werk von Siegfried Salewski, Niederkirchen, von 1983. Das Altarkreuz wurde 1983 von der 'Katholischen Frauengemeinschaft Niederkirchen' (kfd) gestiftet und stammt von einem Südtiroler Herrgottsschnitzer. Der Kreuzweg stammt von Mathias Berger, München, und zeigt die wesentlichen Aussagen der 14 Stationen. Die Eingangstüren wurden vom Kunstschlosser Emil Forler, Landau, nach Vorlagen von Oberbaudirektor Dr. K. Lochner gefertigt und zeigen Motive wie Sonne, Regen, Haardt, Wingerte, Hahn sowie betende Hände (Wachet und betet!). Die Türdrücker zeigen die Form von Winzermessern.
1999 wurde die Glockenanlage restauriert. Der Glockenstuhl, der aus Eiche besteht und aus dem Jahr 1525 stammt, war durch sein Alter und durch Witterungseinflüsse so stark in Mitleidenschaft gezogen worden, dass er in Schieflage geriet und unter diesen Umständen leider nicht mehr sicher war. Bei dieser Gelegenheit wurde die gesamte Glockenstube den neuesten Erkenntnissen gemäß ausgestattet, damit das Geläut und der Stundenschlag gut zu hören sind und dieser Bauteil vorläufig gesichert war. Im Glockenstuhl hängen vier Glocken: die Pantaleons-Glocke (Gewicht: 260 kg) von 1843, die Martinus-Glocke (Gewicht: 470 kg) und die Dreifaltigkeits-Glocke (Gewicht: 885 kg), beide aus dem Jahr 1949, sowie die Marien-Glocke (Gewicht: 190 kg) von 1950.
Internet: http://www.lebendiges-niederkirchen.de






