Einigung im Deidesheimer "Geißbockkrimi"
Rechtsstreit im „Geißbockkrimi“ vermieden...
Rechtsstreit im „Geißbockkrimi“ vermieden: Ersatzlieferung eines „gut gehörnten und gut gebeutelten“ Geißbocks am 19. März 2004
Der Ausgangspunkt: Der Deidesheimer Hotelier Clément Hatterer ersteigerte im Jahr 2003 den 600sten Geißbock in Deidesheim. Er sollte mit seinem neuen Weggefährten aber nicht viel Glück haben: drei Wochen später starb der Bock aus ungeklärten Gründen. Gerüchte über ein mutwilliges Attentat auf den Jubiläumsbock erhärteten sich aber nicht. Der Bock war weg, der Ersteigerer traurig - und auch etwas entrüstet; sah er sich doch um seinen ersteigerten Lohn gebracht. Aber wer war Schuld? Was sollte geschehen, sollten alte Gräben zwischen der Gemeinde Lambrecht und der Stadt Deidesheim, die in der Vergangenheit häufig vor dem Kadi endeten, wieder aufgeworfen werden? Clément Hatterer konsultierte einen Rechtsanwalt, um mit dem Deidesheimer Bürgermeister Stefan Gillich in juristisch höchst komplizierte „Geißbockverhandlungen“ zu treten.
Was dann folgte formuliert die Rheinpfalz in ihrem Artikel vom 04.02.2004 sehr treffend:
„So richtig wohl war es am Ende doch keiner der Parteien bei dem Gedanken, dass eine Prozesslawine um den Tributbock losgetreten werden könnte. Kannte man doch aus der Geschichte genug Beispiele, bei denen Weiderecht und Bock zur endlosen Verhandlung geführt, die Städte Lambrecht und Deidesheim beinahe für immer entzweit haben.
Bis in die höchsten Instanzen waren diese Zwiste gegangen. Hatte schließlich nicht König Ruprecht im Jahre 1404 ausdrücklich die Weidenrechte der Lambrechter bestätigen müssen? Hatte nicht in Zeiten französischer Besatzung Kaiser Napoleon I. die Beschaffenheit des Geißbocks nochmals juristisch festlegen müssen? Heute wären solche Fragen vermutlich beim Bundesgerichtshof gelandet. Erinnert sei auch an jenen Streit 1851 begann wegen nicht ordnungsgemäßer Lieferung des Tributtiers, und der sechs Jahre später vom Appellationsgericht Zweibrücken entschieden wurde mit der Maßgabe an Lambrecht, 1848 sieben Geißböcke nachzuliefern.
Fürwahr Gründe genug, Vorsicht walten zu lassen. Gerade im Jubiläumsjahr hatten sich Lambrecht und Deidesheim gegenseitig so vorbildlich unterstützt, dass ein Rechtsstreit gar nicht auszudenken war, der vielleicht alte Wunden wieder aufgerissen hätte.
Also haben sich die beiden Parteien geeinigt. Und so wird am 19. März ein Lambrechter Geißbock vor das Deidesheimer Rathaus gebracht, von einem Veterinärmediziner untersucht und dem ehemaligen Steigerer übergeben. Wie der Deidesheimer Bürgermeister Stefan Gillich berichtet, sei alles bestens mit der Stadt Lambrecht abgestimmt. Auch einen Umtrunk werde es geben, "wie es sich gehört", aber natürlich kein Fest, wie es nur an Pfingstdienstag stattfinden darf. Der Kadi wird also nicht bemüht. "Wir haben aus der Geschichte gelernt", meint Stefan Wemhoener, Geschäftsführer der Tourist Service GmbH in Deidesheim, schmunzelnd. Weiß er doch, dass das Geißbock-Brauchtum inzwischen eine mächtige Stütze des Tourismus in Deidesheim geworden ist.“
So scheint der Krimi um den 600sten Geißbock doch noch eine gute Wende für alle Beteiligten zu nehmen. Clément Hatterer plant, den Bock beim Landgasthof „Forelle“ , direkt am Eiswoog in Ramsen unterzubringen. Dort wird ihm sicherlich die Ehre zuteil, die seinem Vorgänger versagt blieb.
Es bleibt zu hoffen, dass der „Ersatzbock“ nicht ebenfalls vorzeitig das Zeitliche segnet – dann müsste vielleicht doch noch der Bundesgerichtshof über ein Dekret von Kaiser Napoleon I zum Deidesheimer Geißbock richten......
Stefan Wemhoener
Tourist Service GmbH Deidesheim






